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Die Katastrophe von Köln

ein persönlicher Nachruf

 

Unfassbare Bilder gingen heute Nachmittag aus der Severinsstraße um die Welt. Das historische Archiv der Stadt Köln ist selber Geschichte. Die ganzen Erinnerungen an eine über 2000-jährige Stadtgeschichte in Schutt und Asche. Bilder, die man auch nach einer Stunde noch nicht begreifen kann. Bilder, die für jeden Historiker in keinem Albtraum schlimmer sein können. Dazu noch nicht irgendwo in der dritten Welt, sondern in einem doch eigentlich so hoch entwickeltem Land. Bilder, für die sich keine Worte finden lassen.

 

Ohne Zweifel ist das zusammen mit dem Brand in der Weimarer Anna-Amalia-Bibliothek eine der größten kulturellen Katastrophen der deutschen Nachkriegsgeschichte. In Köln, dem Gründungsort unseres Projektes. Das ist sicher auch nicht der Zeitpunkt geschweige denn Ort für Fehlervermutungen und die Frage nach einem Zusammenhang mit der zum Himmel schreienden Korruptionspraxis in diesem Land. In jedem Fall sind die Folgen dieses unfassbaren Ereignisses nicht nur in kultureller Hinsicht sondern auch für den guten Ruf der Stadt Köln und des Wissenschaftsstandort Deutschland eine Katastrophe.

 

Es ist der Moment unbeschreibbar tiefer Trauer. Im historischen Archiv der Stadt Köln liegen auch die Anfänge des Projektes Fußballvereinsregister. Hier begann ich, Michael Kresse, als Projektgründer in der Zeit ab 1997 die ersten historischen Recherchen der Kölner Fußballgeschichte vor, damals noch als Schüler. In unzähligen Besuchen sowie mit viel Entgegenkommen und Geduld des uns gegenüber stets freundlichen Personals wurde hier noch vor der ersten Kontaktaufnahme mit dem Fußball-Verband und seinen Kreisen sowie der erste Grundstein unseres Projektes gelegt. Hier waren für den April diesen Jahres erste Probeläufe beim Ausbau unseres digitalen Archivs geplant. Als Gründer und verantwortlicher Leiter des Projektes Fußballvereinsregister ist das historische Stadtarchiv somit ein Ort, mit dem mich persönlich viele persönliche Erinnerungen verbinden, auch wenn wir aus organisatorischen Gründen unsere meisten Forschungen für Köln zuletzt in die UB (Universitätsbibliothek) verlegt hatten.

 

Unser Mitgefühl gilt zuallererst den Angehörigen der Vermissten Mitbürger, aber auch in besonderem Maße der Betroffenen Bürger, die wertvolle Nachlässe zum Wohle der Stadt dort der Stadt überließen.

 

Unser großes Unverständnis gilt der Tatsache, dass offenkundige Risse im Bauwerk eines so kostbaren Hauses offenbar nicht ernst genommen wurden und die Stadt Köln rein gar nichts aus der schiefen Kirche in nur 150 Metern Entfernung vor immerhin fünf Jahren gelernt hat.

 

Unsere Hoffnung gilt den Vermissten, dass Sie - am besten unversehrt - mit dem Schrecken davon kommen. Unsere Hoffnung gilt den Spezialisten unter den Rekonstrukteuren, dass sie ähnlich wie in Weimar noch einige Kostbarkeiten retten können. Unsere Hoffnung gilt vor allem dem Wunsch, dass die Verantwortlichen - wer auch immer das sein mag - wirklich zur Verantwortung gezogen werden und alle anderen daraus lernen, damit sich eine solche Katastrophe kein zweites Mal ereignet!

 

Journalistische Berichte zur Katastrophe findet Ihr hier:

http://www.ksta.de/html/artikel/1236027626596.shtml

 

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Zuletzt aktualisiert: 29.09.2009

© 2007 bei Michael Kresse, 51061 Köln-Flittard