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Ausgangssituation / Hintergründe
Der zweite von unseren drei angekündigten
Spielberichten führte uns heute zu einem besonderen Duell: Kein
Spitzenspiel, sondern Letzter gegen Vorletzter und das mit voller
Absicht: Vor dem letzten Wochenende hatten beide Mannschaften zusammen
nur im Hinspiel Punkte ergattern können: Die Einen, weil sie überhaupt
erst seit anderthalb Jahren Fußball spielen, die Anderen, weil sie bis
zur Vorsaison nur in der Jugend auf Kleinfeld spielten. Die zu
erwartenden Packungen (Torverhältnis SF Troisdorf vor dem Spiel: 16:137,
bei Winterscheid gar 8:192) ließen beide Mannschaften nicht davon
abhalten, die Saison durchzuziehen. Jeder, der schon mal Fußball
gespielt hat, weiß, wie viel Charakter dazu gehört und wie hoch diese
Leistung sportlich einzuschätzen ist. So wie wir in der letzten Saison
die DJK Blumenthal im Kreis Euskirchen für diese bewundernswerte
Leistung in Szene gesetzt haben (wir
berichteten), wollen wir nun mit dem TuS Winterscheid und den
Sportfreunden Troisdorf gleich von Zwei Mannschaften repräsentativ für
alle Anderen in vergleichbarer Situation berichten. Es sind Mannschaften
wie die beiden, die den Frauenfußball zu einer Millionensportart machen,
die auch Spielerinnen die Möglichkeit geben, die (nach Meinung der
Redaktion) schönste Sportart für alle die zu öffnen, die spielen
wollen und dabei fest entschlossen sind, auch regelmäßig zweistellige
Klatschen einzustecken.
Übrigens: Der SSV Troisdorf 1905, bis zum
letzten Sonntag monatelang Tabellenführer dieser Staffel, startete vor
fünf Jahren mit einem Torverhältnis von 17:108. In der Zwischenzeit hat
sich die Elf von Arno Deurer Jahr für Jahr weiter entwickelt...
Nun aber zum Spiel:
Die erste Auflage entschieden am 26.10. die
Sportfreunde mit 7:1 für sich, wobei sich das Ergebnis nach Auskunft des
siegreichen Trainers Egon Reppert deutlicher gestaltete, als der
Spielverlauf. Die Tore erzielten dabei Franziska Thelen (4), Julia Lutz,
Carina Weiß, Christiane Zimmermann sowie Kathrin Ruhl für Winterscheid.
Die Heimmannschaft konstituierte sich bei
einem Turnier im Herbst 2007, die Gäste spielten schon in der Jugend
zusammen, sammelten dabei aber vor allem Halbfelderfahrung. Gästetrainer
Egon Reppert stapelte nicht nur tief, weil das Ergebnis im Hinspiel
deutlicher war, als der Spielverlauf, sondern vor allem, weil ihm heute
die komplette etatmäßige Innenverteidigung fehlte.
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1. Halbzeit
Die erste Spielhälfte begann so
ausgeglichen, wie der Tabellenstand es vermuten ließ. In einer Phase,
als die Gäste begannen, das Spiel zunehmend in der Hälfte der
Heimmannschaft zu verlagern, bekamen sie gleich die kalte Dusche. Bei
einem Konter stürmte Nadine Klemmer bei ihrem ersten Streich aufs Tor,
ein Handspiel und ein wohl fälliger Abseitspfiff (bei dem Tor stand
die Redaktion hinter dem anderen Tor, auf dem Weg zur anderen Seite des
Spielfeldes) blieben aus und Nadine Klemmer vollstreckte zielstrebig
und gekonnt ins lange Eck
Auf das Tor folgte die stärkste Phase der
Gästemannschaft: Mit der Wut über den ausgebliebenen Abseitspfiff im
Bauch warfen sie alles nach vorne, zeigten aber eine Schwäche, die sich
wie ein roter Faden durchs Spiel zog: Ihre vor allem in dieser Phase
höheren Spielanteile konnten sie zu selten in brenzlige Torchancen
ummünzen. Am nächsten am Ausgleich dran war in der 22. Minute
Lorena Stupan mit einem gefühlvollen Heber, der nur knapp über das Tor
strich. Lorena glänzte bei den Gästen zugleich durch den größten
Aktionsradius und dadurch, auch in aussichtslosen Situationen noch
wenigstens um eine Ecke zu kämpfen. Das sie bis vor kurzem noch am
Sprunggelenk verletzt war, ließ sie sich nicht anmerken. Als effizienter
zeigte sich die bisher sieg- und punktlose Heimmannschaft. Nadine
Klemmer stürmte nun über links, frei nach dem Motto "Jeder Schuss ein
Treffer" vollstreckte sie auch dieses Mal wieder kalt wie eine
Hundeschnauze und an der Entstehung gab es auch regeltechnisch nichts
auszusetzen. Dieser Treffer kam zum viel zitierten psychologisch
wichtigen Zeitpunkt, Troisdorfs Offensivspiel erlebte einen Bruch. Die
Schlussviertelstunde gehörte schließlich der Heimmannschaft, die
allerdings in der 39. Minute das Glück hatte, dass der Schiedsrichter
einen Rückpass nicht ahndete. Die Heimführung war aber dahin gehend
nicht unverdient, als dass Winterscheid einfach effizienter und
gefährlicher agierte.
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2. Halbzeit
Der zweite Spielabschnitt schien Spannung
zu versprechen: Franziska Thelen platzierte in ihrem Spiel nach einer
schweren Erkältung auf der rechten Außenbahn einen schönen Heber ins
lange Eck. Das Bangen bei der Heimmannschaft bzw. das Hoffen bei den
Gästen währte aber nur zehn Minuten: Einen Abstimmungsfehler zwischen
Torfrau und Abwehr nutzte Carmen Preuß im Nachsetzen zum entscheidenden
und laut umjubelten Siegtreffer der Heimmannschaft. Troisdorf, dass
zuvor wieder besser ins Spiel zu kommen schien, versuchte auch nach dem
dritten Gegentor, mit hohem läuferischen Aufwand zu drücken, blieb dabei
aber zu wirkungslos gegen eine gut stehende und kampfstarke
Heimmannschaft. Dass das 3:1 die Entscheidung war, bahnte sich dann in
der 73. Minute an. Zunächst kam bei der Heimmannschaft nach einer Ecke
Carmen Preuß frei zum Schuss, der aber nicht das 4:1 bedeutete. Direkt
im Gegenzug stürmte dann Olivia Braun alleine auf das Tor. Verbunden mit
der berüchtigt langen Zeit, sich die Ecke auszusuchen, sauste ihr Schuss
nur wenige Zentimeter am linken Pfosten vorbei. Wenig später war das
Spiel für rund drei Minuten unterbrochen, als Franziska Thelen von ihrem
Trainingsrückstand in Form heftiger Krämpfe eingeholt wurde. Die Zeit
nutzte eine Troisdorfer Spielerin zur Erkenntnis, noch nie Kühe von so
nah gesehen zu haben, als gerade drei (übrigens ebenfalls weibliche)
Prachtexemplare der Gattung "Rheinische Schwarzbunte" am Zaun des
Nachbargrundstückes zuschauten.
Die Schlussviertelstunde gehörte ganz der
Heimmannschaft, die das Spiel nicht nur verwaltete, sondern auch die
Entscheidung suchte, während der Gästemannschaft der Sprit ausging. Für
den größten Aufreger sorgte rund fünf Minuten vor Toreschluss Laura
Partenheimer, die einen durchaus auch für höhere Spielklassen tauglichen
Drehschuss an die Latte platzierte. Am Ende blieb es beim 3:1 und einem
Jubel über drei Punkte von Seiten der Heimmannschaft, der stark an
Meisterfeiern erinnerte. Das zahlreich erschienene, treue Publikum
feierte seine Mannschaft, die sich fürs Durchhalten auf einer langen
Durststrecke mit Niederlagen von durchschnittlich 0,45 : 10,67 selbst
die schönste Belohnung machte. Dem konnte Thomas Giermann schon
zwangsläufig nicht trocken entkommen...
...mitgespielt hat auch das Wetter, der
Regen begann erst fünf Minuten nach Abpfiff!
Fazit: Jede Mannschaft, die neu den mutigen
Weg in den Ligaspielbetrieb findet, kann sich in einem sicher sein: Mit
der Länge der Durststrecke steigt auch die Feierlaune eines ersten
Dreiers, den man für den Rest seiner Karriere nicht vergisst. Ein
Warten, das sich lohnt und Mut macht!
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