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Reform im Frauenfußball abgeschmettert —

Wann kommt endlich die Bezirksliga?
 

Ein großer Wunsch der Vereine findet weiter keine Erfüllung. Antrag des FVM-Frauensportausschusses scheitert im Präsidium, Vereine enttäuscht

 

Ein Kommentar von Carsten Töller und Michael Kresse


Nachdem die Mannschaftszahlen im Frauenfußball rund 20 Jahre lang stagnierten, boomt der Frauenfußball in den letzten Jahren wie noch nie. Grund dafür sind sicherlich die Erfolge der Nationalmannschaft bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen.

Zur aktuellen Lage

Auch am Mittelrhein hat sich die Zahl der Mannschaften in den letzten Jahren nahezu verdoppelt. Hatte man lange Zeit Mühe, überhaupt 12 geeignete Teams für die Verbandsliga zu finden, reicht inzwischen sogar die Sollstärke von 14 in den Kreisligen nicht mehr aus, um die ganzen spielbereiten Frauenclubs aufzunehmen. Eine Reform ist dringend notwendig.


 

Das ganze in Zahlen:

Saison Anzahl* Saison Anzahl* Saison Anzahl*
1985/86 89 1993/94 85 2001/02   81
1986/87 91 1994/95 78 2002/03   83 (+2)
1987/88 88 1995/96 80 2003/04   89 (+6)
1988/89 90 1996/97 80 2004/05   94 (+5)
1989/90 79 1997/98 82 2005/06 104 (+10)
1990/91 78 1998/99 87 2006/07 121 (+17)
1991/92 74 1999/00 86 2007/08 134 (+13)
1992/93 78 2000/01 81 2008/09 144 (+10)
      2009/10 159 (+15)*

Anmerkung:

Nicht berücksichtigt in der Anzahl haben wir die FVM-Mannschaften oberhalb der Verbandsebene, weil sie für diese Betrachtung nicht relevant sind. Die Summe für 2009/10 ist vorläufig und wird sich noch durch Nachmeldungen etwas erhöhen.

 

Tabelle 1: Entwicklung der Mannschaftszahlen im FVM


Im Widerspruch zum Reformstau am Mittelrhein steht dessen traditionelle Vorreiterrolle: So war der FVM 1976 der erste Flächenverband im DFB, der eine eingleisige Verbandsliga einführte. An der Einführung der Regionalliga West als erster Verbandsübergreifender Frauenliga überhaupt hatten der FVM und seine Vereine entscheidenden Anteil, der Mittelrheinpokal, ausgespielt seit 1977 zählt zu den ältesten Landespokalwettbewerben im DFB. Aus dem FVM stammen auch der erste DFB-Länderpokalsieger (Mittelrhein-Auswahl, 1981), der erste DFB-Vereinspokalsieger (SSG 1909 Bergisch Gladbach anno 1981) und der erste DFB-Hallenpokalsieger (Grün-Weiß Brauweiler, 1994).

Blick über den Zaun

Der FV Mittelrhein ist immerhin der siebtgrößte Landesverband im DFB. Bei den Frauen rangiert er allerdings nur auf Rang 10 und muss Verbänden wie Sachsen, Südbaden und Schleswig-Holstein, die gerade einmal halb so groß sind, den Vortritt lassen. Sachsen-Anhalt, wo erst vor elf Jahren Ligen auf Landesebene eingeführt wurden, liegt nur hauchdünn hinter dem Mittelrhein in Lauerstellung. Details zur Frauenmannschaftsstatistik im Rahmen der DFB-Statistik unter http://www.dfb.de/index.php?id=11015 .

Die Verbände sind es jedem ihrer Vereine schuldig, ihnen eine geeignete sportliche Heimat zu bieten. Nichts ist für neu gemeldete Mannschaften frustrierender als zweistellige Niederlagen. Im Saarland, in Nordbaden und in Brandenburg sind die Zahlen der im Spielbetrieb befindlichen Frauen-Mannschaften überdurchschnittlich gestiegen, nachdem man auf der untersten Ebene Ligen für Kleinfeldmannschaften eingerichtet hatte. Auch die relativ kleinen Verbände Hamburg und Berlin haben gute Erfahrungen damit gemacht.

Andere Verbände wie Württemberg und der Niederrhein haben dem Boom Rechnung getragen durch eine verbesserte Ligenstruktur mit zusätzlichen Ebenen. In Württemberg wurden 2004 zwischen die 2 Landesligen und die 12 Bezirksligen 6 sogenannte Regionenligen geschoben, der Niederrhein schob 2008 die Bezirksliga zwischen Landes- und Kreisliga. Die Grundregel hierbei lautet: Eine Mannschaft, die in ihrer Staffel Meister wird, muss auch das Recht haben, ohne eine zusätzliche Qualifikationsrunde in die nächsthöhere Liga aufsteigen zu dürfen.
 

 

Westfalen

Niederrhein

Mittelrhein

Verbandsliga (eingleisig)

1981

1981

1976

Landesliga

1978

1978

1981

Bezirksliga

1973

2008

?

Kreisliga

1971

1971

1971


Tabelle 2: Welches Level wurde wann eingeführt, ein vergleichender Überblick

Wie die obige Übersicht zeigt, gibt es die Bezirksliga in Westfalen bereits seit 1973. Dort hat man die Pyramide in der Frühphase des Frauenfußballs sukzessive von unten nach oben aufgebaut und spielt schon seit 1981 auf vier Ebenen. Auch am Niederrhein bekam man 2008 die Mannschaften nach dem Boom der letzten Jahre nicht mehr in die Ligen auf drei Ebenen hinein. Auch in den kommenden Jahren ist entgegen der allgemeinen demoskopischen Entwicklung im Frauenfußball noch mit einer weiteren Steigerung der Mannschaftszahlen zu rechnen — nicht zuletzt wegen der Weltmeisterschaft im Jahre 2011 hier in Deutschland.

Die Frage nach der richtigen Sollstärke

Auf dem letzten Staffeltag waren nicht nur die Staffelleitungen, sondern auch die große Mehrheit der betroffenen Mannschaften sehr unglücklich über die Sollstärke von 14. In Anbetracht der zum Teil großen Entfernungen und der Tatsache, dass die Frauen nicht für Geld spielen, haben sich Nachholspiele unter der Woche als sehr problematisch gezeigt. Dazu gibt es viele Mannschaften, die in den Schulferien große Mannschaftsschwierigkeiten haben, so dass ein Zurück zur Sollstärke von Zwölf die logische Folge sein wird.

Bei einer Sollstärke von 14 Mannschaften benötigt man für die 152 Teams auf Landesebene in der jetzt beginnenden Saison bereits 11 Staffeln. Das geht so gerade noch mit einer Pyramide von 1-2-8 (Verbands-Landes-Kreisligen). Das Verhältnis von 2:8 zwischen Landes- und Kreisligen bedeutet für mindestens 7 Landesligisten am Ende der Saison den Absturz in die Kreisliga und oftmals zweistellige Resultate gegen neu beginnende Teams. Ginge man in Anbetracht der vorgenannten Terminproblematik auf eine Sollstärke von 12 Mannschaften hinunter und berücksichtigt man die Steigerungen der Mannschaftszahlen im Spielbetrieb, so braucht man 2010/11 mindestens 14 Staffeln. Eine Pyramide 1-2-11 wäre sportlich ebenso wenig sinnvoll wie 1-3-10.


Auswirkungen auf Auf- und Abstieg

Die aus dem Präsidiumsbeschluss resultierende 1-4-9 bringt der Verbandsliga regelmäßig; 4 Absteiger. Muss man einen erhöhten Abstieg aus der Regionalliga ausgleichen, könnten es schnell auch mehr werden. betrachtet man das Horrorszenario von fünf Absteigern - was dann eintreten kann, wenn drei NRW-Mannschaften aus den beiden Staffeln der 2. Bundesliga absteigen - dann müssen vier Mannschaften mehr aus der Verbandsliga ab- als aufsteigen. Bei vier Aufsteigern bedeutet das acht Absteiger, aber auch schon bei zwei Regionalligaabsteigern müssten bereits fünf Verbandsligisten absteigen.

Fazit

Das mittelfristige Ziel kann deshalb nur die Einführung der Bezirksliga sein. Eine Pyramide 1-2-4-7 bekäme man schon in der Saison 2010/11 gefüllt, ohne dass die Kreisligen ausbluten würden. Hält der Boom bei den Frauen an, dann ist ohnehin in jedem Jahr mit einer weiteren Kreisliga-Staffel zu rechnen (siehe Tabelle 1). Für die Saison 2010/11 ist der Zug leider abgefahren. Hoffen wir im Sinne des Frauenfußballs, dass es den Verantwortlichen gelingt, den Trend zu erkennen und rechtzeitig zur Saison 2011/12 die Weichen in die richtige Richtung zu stellen.

 

Zur Person:

Carsten Töller, Jahrgang 1970, hat unter den Fußballstatistikern in Deutschland die meiste Erfahrung im Frauenfußball. Seit fast einem Vierteljahrhundert verfolgt er mit großer Aufmerksamkeit den Frauenfußball über Verbandsgrenzen hinweg und dessen Entwicklung. Seit über zehn Jahren gehört er zum Organisationsteam des DFB-Hallenpokals. Weitere Infos findet ihr hier.

Michael Kresse, Jahrgang 1979, ist im Projekt Fußballvereinsregister für die Arbeit an der Basis zuständig und hat dabei in den letzten beiden Spielzeiten rund 150 Frauenfußballspiele besucht.

 

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Diese Seite ist privat und nicht offiziell, alle Angaben erfolgen daher ohne Gewähr!

Zuletzt aktualisiert: 29.09.2009

© Michael Kresse, 51061 Köln-Flittard