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1250 Zuschauer, acht Tore, kein Sieger beim ersten Rheinderby

 

Im mit Spannung erwarteten, ersten von zwei de-facto-Endspielen um die Macht am Rhein & Aufstieg in die 1. Bundesliga sahen die Zuschauer ein spektakuläres Spiel mit zwei jeweils völlig verschiedenen Spielhälften in beiden Halbzeiten

 

 

von Thomas Arndt und Michael Kresse

 

Der Überblick

 

Ausgangssituation

1. Halbzeit

2. Halbzeit

Spielerin des Spiels

Fazit

Zu den Schiedsrichterinnen

Stimmen zum Spiel

Über Sinn und Unsinn der Aufstiegsregelung zur 1. Bundesliga, ein Kommentar

Die Fakten zum Spiel

Zahlen und Fakten, Teil II: Mannschaftskader und Einsatzstatistik beider Mannschaften

Ausflug in die Historie: SSG 1909 Bergisch Gladbach - SV Grün-Weiß Brauweiler

 

Ausgangssituation

Freitag Abend, 27.11.2009, endlich war es soweit: Bayer Leverkusen - 1.FC Köln, dieses spannungsgeladene Nachbarschaftsduell erstmals auch bei den Frauen. Erhöht hat sich der Reiz noch zusätzlich durch die prickelnde Tabellensituation verbunden mit der Gewissheit, dass einer von beiden am Ende auch in die 1. Bundesliga aufsteigen wird. Nach dem sich beide Mannschaften bis zum vergangenen Samstag ein Kopf-an-Kopfrennen um die Tabellenspitze lieferten, bis der FC gegen den Tabellendritten und bisherigen Abonnement-Vizemeister der Zweiten Liga Süd, VfL Sindelfingen, den Ausfall seiner beiden wichtigsten Spielerinnen (Patricia Hanebeck verletzt, Bilgin Defterli in der WM-Quali unterwegs) nicht kompensieren konnte und zwar feldüberlegen aber doch relativ konzeptlos wirkend mit 0:1 verlor. Sindelfingen trotzte am 4. Spieltag auch der Werkself einen Punkt ab, mehr als Platz Drei und noch die eine oder andere Show-Einlage auf der Trainerbank ist hier aber nicht zu erwarten.

Am hitzigsten geführt wurde dieses erste Derby im Vorfeld, als es um die Terminierung der Partie ging. An den für Derbies übliche Termin Sonntag 14 Uhr Sonntag, war deshalb schon nicht zu denken, weil am Sonntag um 15:30 die Herren gegen den VfB Stuttgart spielen und aus verkehrstechnischen Gründen dann keine der drei in Frage kommenden Anlagen möglich gewesen wäre. Dies war den Beteiligten auch schnell klar, unklarer blieb lange der Ausweichtermin. Die Gastgeber favorisierten den Freitag Abend, die Gäste, deren Männer-Bundesligamannschaft (in Bochum) und U23-Mannschaft (gegen Saarbrücken) ebenfalls am Freitagabend im Einsatz sein sollten, favorisierten den Samstag Abend. Neben einer zahlenmäßig stärkeren Unterstützung durch eigene Fans hatten die FC-Verantwortlichen dabei auch im Hinterkopf, dass ihre beste Stürmerin Bilgin Defterli am Donnerstag noch das WM-Qualifikationsspiel Türkei - England bestreiten würde. Das ist mit Sicherheit auch den Verantwortlichen von Bayer nicht entgangen, die dich eine Woche zuvor beim Spiel Köln - Sindelfingen vor Ort davon überzeugen konnten, wie es um die FC-Offensive ohne die türkische Rekordnationalspielerin bestellt ist.

 

Das man von seinem Heimrecht insofern Gebrauch macht, dass man für sich selber eine möglich günstige Ausgangsposition bekommt, ist für den Gegner nicht immer schön, gehört aber zum Geschäft. Das Spiele verlegt werden können bei Abstellungen für Auswahlmannschaften, ist im Amateurbereich zwar üblich, nicht aber im nationalen Spitzenfußball. Schließlich müssten ja sonst zum Beispiel Bundesligamannschaften in Deutschland aufgrund der Männer-Afrikameisterschaft alle zwei Jahre einzelne Spiele verlegt werden bzw. in England und Frankreich ganze Spieltage verlegt werden. Auch hier kann man sagen: Nicht schön für den FC, aber die Bundesliga ist kein Geschäft der Nächstenliebe.

Einen bitteren Beigeschmack gab es dann aber noch am Montag vor dem Spiel. Den Ausschlag für die Terminierung auf den Freitag gab die Einstufung des Spiels als Sicherheitsspiel. Inwiefern die Polizei da von selber darauf gekommen ist oder nicht, können und wollen wir nicht beurteilen. Das aber dann am Montag vor dem Spiel auf einmal die offizielle Bestätigung kommt, dass es sich nun doch nicht um ein Sicherheitsspiel handelt, stieß besonders in Köln aber sicher nicht nur dort für Unverständnis, in jedem Fall dürften nach diesem leidenschaftlichen Vorspiel beide Mannschaften bis unter die Haarspitzen topmotiviert gewesen sein, die Vorfreude auf ein intensives Derby, in dem nicht auch nur ein Grashalm kampflos verschenkt wird war groß und berechtigt.

Auf dem Platz sollten sich schließlich nicht nur die beiden Mannschaften als bundesligatauglich erweisen, sondern auch der enorme Zuschauerzuspruch. An einem Freitag Abend waren für diese Liga rekordverdächtige 1.250 Zuschauer gekommen, davon - gemessen an den Lautstärken der Torjubel auf den Rängen - rund die Hälfte aus Köln, um die beiden Rivalen vom Rhein zu sehen. Man hatte ein von Taktik geprägtes Spiel erwartet bei dem Torszenen Mangelware sein würden, ein Typisches Spitzenspiel eben, aber es kam ganz anders. Das es aber acht Tore plus zwei Lattenknaller geben sollte, konnte man nicht unbedingt erwarten.

Übrigens, wer noch die Infos zu den beiden letzten Spielen der Türkei gegen Spanien (0:5, überraschend hoch, mit Laura del Rio musste Spanien auf seine mit Abstand beste Stürmerin verzichten) und England (0:3) sucht, wird hier fündig:

Türkei - Spanien 0:5

21 November 2009 13:00 (CET) - Stadion 19 Mayıs in Manisa

http://www.uefa.com/competitions/wowc/fixturesresults/round=2000048/match=2001107/index.html

Türkei - England 0:3

26 November 2009 13:00 (CET) - Stadion Yeni Buca in Izmir

http://www.uefa.com/competitions/WOWC/fixturesresults/round=2000048/match=2001104/index.html

 

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1. Halbzeit

Zunächst schien sich tatsächlich ein von taktischen Zwängen gelähmtes, typischen Spitzenspiel mit wenigen Torraumszenen zu kommen, beide Mannschaften brauchen ein paar Minuten um ins Spiel zu finden, wobei Bayer optisch überlegen agierte. Der Weckruf war dann eine Chance quasi aus dem nichts. Nach 8 Minuten eroberte die Leverkusenerin Lisa Schwab den Ball und lief allein auf Kölns Torfrau Kathrin Wojtasik zu, doch die konnte parieren. Nun ging es Schlag auf Schlag. Ein ganz langer Ball von Vanessa Baudzus, der wohl kaum als Torschuss geplant war, ging aber an Freund und Feind vorbei und sprang eingangs des Strafraums vor Wojtasik auf, die konnte den Ball vom Wind getragenen Ball noch mit letztem Einsatz über die Latte bugsieren. Auf der anderen Seite flankte Meike Seuren vielversprechend in den Strafraum und die von Ihrem Länderspieleinsatz gerade rechtzeitig zurückgekehrte Bilgin Defterli verpasste den Ball nur um Zentimeter. Immer wieder die gleiche Szenerie. Köln baute das Spiel langsam auf, während Leverkusen seine Angriffe immer sehr schnell spielte, zumeist über die rechte Seite durch Carolin Dej, da Kölns linker Abwehrflügel zum Teil eklatante Löcher hatte. Chancen gab es auf beiden Seiten mit anfangs deutlichen Vorteilen für Leverkusen. Das 1:0 war dann aber eins aus der Kuriositätenkiste, bei dem sich Leverkusens Torfrau Lisa Schmitz einen Scorerpunkt verdiente. Der lange Abschlag in der 18. Minute senkte sich erst in der Spielhälfte der Kölnerinnen und somit hinter der Abwehrreihe. Die einzige, die schnell genug schaltete, war Lisa Schwab. Sie nahm den Ball mit und lief alleine auf Wojasik zu. Ein schöner Heber zur Vollendung des Tor‘s. Sah es doch vor dem 1:0 so aus, als würde Köln besser ins Spiel kommen, verloren die Gäste nun kurzzeitig die Übersicht. Ein Schuss von Caroline Dej, der die Latte küsste, und weitere Chancen durch Isabelle Linden und Lisa Schwab folgten.

 

Doch in der letzten Viertelstunde der ersten Halbzeit ließ die Heimmannschaft nach und Köln bestimmte jetzt klar das Spiel.  Doreen Meier brachte es in der Halbzeitansprache auf den Punkt. "Wir verfilmen die letzten fünfzehn Minuten und nennen das ganze >Wie baue ich einen Gegner auf?<"  Einen Pass aus dem Mittelfeld in den Strafraum der Leverkusenerinnen wurde in der 41. Minute von Julia Pfannschmidt aufgenommen, sie vernaschte gleich zwei Leverkusener Verteidigerinnen und hatte die Übersicht, um quer auf die in der Mitte wartende Torjägerin Bilgin Defterli zu spielen. Billy schoss dann humorlos zum 1:1 ein. Nach dem Ausgleich hatten die Leverkusenerinnen noch einige bange Minuten zu überstehen. Nicht weniger als fünf Ecken konnte Köln noch rausholen und eine große Chance wiederum durch Defterli wurde zur Ecke geklärt.  

 

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2. Halbzeit

Die erste Möglichkeit in der zweiten Halbzeit hatten die Kölnerinnen. Pfannschmidt spielte mustergültig auf Defterli und die Schoss knapp am Tor vorbei. Doch das 2:1 fiel für die Heimmannschaft: In der hatte die Welt- und Europameisterin Sonja Fuss den Ball eigentlich sicher, aber die heran stürmende Lisa Schwab erkämpfte sich den Ball und hatte keine Mühe mehr, ihr zweites Tor zu erzielen. So etwas wie Schockstarre wie noch in der ersten Halbzeit gab es bei den Kölnerinnen diesmal aber nicht. Schon zwei Minuten konterte Billy mit Ihrem zweiten Tor und wieder war es Julia Pfannschmidt mit einem schönen Pass, die das Tor vorbereitete. Das Spiel wogte hin und her und man konnte sehen, dass beide Mannschaften mehr wollten. In der 58. Minute war es ein unnötiger Fehler von Anne Lenz, der Lisa Schwab das 3:2 ermöglichte. Wiederum ein krasser Abwehrfehler und wiederum eine feine Einzelleistung von Schwab führten zum Tor. Nach einem Kopfball von Mester kam es dann sogar zum 4:2. In der 64. Minute war die dreifache Torschützin Schwab nun die Vorlagengeberin. Lynn Julia Mester war allein gelassen im Strafraum und ließ Wojtasik keine Chance. Viele Zuschauer hatten nun gedacht, dass das Spiel eigentlich gelaufen sein müsste, Köln schwamm in dieser Phase so sehr, dass gar ein Debakel drohte. Das Manko der jungen Leverkusener Mannschaft scheint aber, dass sie noch nicht so abgeklärt sind um ein Ergebnis zu „verwalten“. Köln fand wieder ins Spiel, machte Druck und anstatt den Ball zu halten, verloren nun die Leverkusenerinnen mehr und mehr die Übersicht. Ein Angriff in der 73. Minute über die rechte Seite leitete dann den Kölner Anschlusstreffer zum 3:4 ein. Die eingewechselte Nina Windmüller, die vor der Saison von Leverkusen auf die andere Rheinseite gewechselt war, flankte in den Strafraum und Nicole Bender brachte den FC wieder zurück ins Spiel. Weitere Chancen folgten. Die größte war dann ein Pass aus dem Mittelfeld auf Defterli, die wurde dann unsanft gestoppt von Johanna Elsig. Die heute nicht überzeugende Schiedsrichterin Marina Wozniak zeigte Elsig dafür „nur“ Gelb. Angesichts dessen, dass Billy durchgewesen wäre und ihr so regelwiedrig eine gute Schusschance genommen wurde, durfte die U19-Nationalspielerin mit dem gelben Karton sehr zufrieden sein. In der 84. Minute dann doch der verdiente Ausgleich. Nach einer Ecke von Meike Seuren konnte Sonja Fuss Ihren Schnitzer beim 2:1 wieder gut machen und köpfte zum 4:4 ein. In den letzten Minuten ging es weiter hin und her und beide Mannschaften spielten auf Sieg. In der Nachspielzeit dann eine weitere fragwürdige Entscheidung der Schiedsrichterin. Wiederum war Schwab durch die Kölner Abwehr spaziert und dieses mal wurde sie rotwürdig von Jeanette Blömen von den Beinen geholt, weit und breit sonst keine Abwehrspielerin mehr vom FC, die Lisa Schwab noch hätte am Abschluss hindern können, eine Notbremse in Reinform. Aber wie schon bei der Situation auf der anderen Seite sah auch Blömen „nur“ Gelb. War das eine Konzessionsentscheidung ?
 

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Die Spielerin des Spiels

In dieser Kategorie haben wir dieses Mal ein salomonisches Urteil gewählt, indem wir von beiden Mannschaften je eine Spielerin ausgewählt haben, zumal beide Mannschaften tollen Fußball spielten und es bei beiden Mannschaften jeweils eine herausragende Akteurin gab: Lisa Schwab (Bayer) und Bilgin Defterli (Köln):

Lisa Schwab war durch Ihre drei Tore und Ihre Vorbereitung des vierten Tor‘s die Überragende Spielerin auf Leverkusener Seite. Ihr zweites und drittes Tor waren feine Einzelleistungen bei denen Sie Zweikampfstärke zeigte. Beim ersten Tor und bei weiteren Möglichkeiten war Sie geistig die schnellste, reagierte bevor in der Kölner Abwehr jemand bemerkt hatte, was da passiert war und zeigte dabei eine Technik zum mit der Zunge schnalzen. Mit Ihrer Technik und Schnelligkeit brachte sie Kölns Hintermannshaft ein ums andere Mal ins Schwimmen. Gästetrainer Klaus Schmischke "Lisa Schwab  machte heute den Unterschied aus".
Bilgin Defterli traf wieder doppelt, und ging ungewohnt weite Wege. Dabei hätte sie nach ihren eingangs erwähnten Reisestrapazen in der WM-Qualifikation mit dem letzten Spiel gerade mal 29 Stunden allen Grund gehabt, eine weniger gute Leistung zu entschuldigen. Dazu war sie nach der schweren Verletzung von Charline Hartmann (Mittelfußbruch) im Spiel gegen Sindelfingen heute nominell die einzige Stürmerin. Doch davon auf dem Platz nichts zu sehen, Billy  kämpfte um jeden Ball, jagte dem Ball bis zurück zur Mittellinie hinterher, gab sich in keinem (Lauf-)Duell geschlagen, bei einzelnen Leverkusener Angriffen half Sie auch mal in der Abwehr aus. Von ihrer Schwäche, dem Spiel nach hinten war heute nichts zu sehen, dazu torgefährlich wie immer und eine echte Kämpferin entgegen aller Müdigkeit von der 1. bis zur 94. Minute.
Für die Leistung beide Spielerinnen die Note 1
 

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Fazit

4:4 Was für ein Spiel ! Ein Hauch von Bundesliga wehte durchs Stadion, zumindest was die Leistung der Sportler in den weißen und roten Trikots betrifft. In einem tollen Spiel sahen die Zuschauer alles, was guten Fußball ausmacht und dabei zwei überragende Stürmerinnen. Einfach klasse, was beide Mannschaften heute ablieferten: Acht Tore: Tempofußball vom Feinsten. Mal dominierten die Einen, mal die Anderen, der Absolute Siegeswille auf beiden Seiten und kaum Leerlauf in einem unterhaltsamen, kurzweiligen Spiel. Das war Werbung für den Frauenfußball! Jeder der das Spiel heute gesehen hat, hat zwei Mannschaften gesehen, die in der Bundesliga mit Sicherheit mithalten könnten. Schade, dass am Ende nur eine der beiden Mannschaften aufsteigen wird, mehr dazu im nachfolgenden Kommentar. Beide können mit dem Ergebnis leben: Leverkusen verteidigt seinen Dreipunktevorsprung auf den FC, dieser wiederum mit diesem vor allem für die Moral wichtigen Auswärtspunkt den Tabellenführer in Schlagdistanz behält. Allerdings stellt sich bei der Stürmersituation nach dem Mittelfußbruch von Charline Hartmann sie Frage, ob die Geißböcke in der Winterpause nicht doch noch nachrüsten, auch wenn der Eindruck, der sich zumindest einem Außenstehenden nach den jüngsten FC-Liebesbekundungen von Inka Grings aufdrängt, wohl zumindest für die Winterpause ins Reich der rot-weißen Träume gehört.
 

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Zu den Schiedsrichterinnen

Zu unserer großen Überraschung wurde im Gespann nicht die auf der Fotografen- bzw. Trainerbankseite eingesetzte, erfahrene Monique Klauß, sondern die für ihre Launen allseits bekannte Marina Wozniak als Haupt-Schiedsrichterin eingesetzt. Eine schlechte Entscheidung, wie sich zeigen sollte. Während die Assistentin bei allen Abseitsentscheidungen richtig lag (die Entscheidungen auf der anderen Seite können wir nicht beurteilen), lieferte Frau Wozniak ihren Kritikern jede Menge Nahrung. Klare Linie: Fehlentscheidung. Die erste gelbe Karte des Spiels gab es für ein Allerweltsfoul von Kathrin Julia Hendrich, für ein härteres, gelbwürdiges Foul zuvor gab es kein gelb. Die nicht vorhandene klare Linie zog sich wie ein roter Faden durch das Spiel. In Halbzeit zwei hätte je sie einmal rot geben können (Johanna Elsig Foul an Billy) bzw. müssen Jeanette Blömen mit einer Bilderbuchnotbremse). Den absoluten Knaller brachte Frau Wozniak, als sie bei einem Freistoß für Köln beim Stande von 4:2 für Leverkusen die Kölner (!) Spielführerin Sonja Fuß aufforderte, sich zu beeilen. Bei dem Schiedsrichterlehrgang, wo das beigebracht wird, wären wir gerne mal dabei. Kurzum: Note 5.

Schade, dass der DFB nicht sein größtes Talent aus NRW, die aus Düsseldorf stammende Marija Kurtes, für dieses wichtigste Spiel der Hinrunde ansetzte. Ihre starke Leistung und ihr Fingerspitzengefühl, wie beim ebenfalls spannungsgeladenen Spiel Köln gegen Sindelfingen eine Woche zuvor, hätte dieses Spiel verdient gehabt.

  

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Stimmen zum Spiel

Kölns Torfrau Kathrin Wojtasik zeigte sich nur teilweise zufrieden. "Wenn man vier Gegentore bekommt kann man eigentlich nicht zufrieden sein aber wenn man nach einem 2:4 noch unentschieden spielt dann muss man schon zufrieden sein." Begeistert zeigte sich Bettina Wiegmann. Die U15-Bundestrainerin und 154-fache A-Nationalspielerin, die bis 2001 selber in Brauweiler spielte, sah ein sehr gutes Spiel mit zwei sehr guten Mannschaften. Ein größeres Kompliment als "Da war alles drin, was man als Fußballfan sehen möchte" von der DFB-Ehrenspielführerin kann ein (Zweitliga-)Spiel nicht bekommen. FC-Trainer Klaus Schmischke war erkennbar nicht zu jeder Phase des Spiels mit seiner Mannschaft zufrieden, am Ende überwog aber deutlich die Zufriedenheit mit den Stehaufqualitäten seiner Elf: Mit den Worten "Ich muss meinem Team ein großes Kompliment machen, dass es diese häufigen Rückstände so weggesteckt hat. Diese Moral spricht absolut für die Mannschaft" lobte er seine Mannschaft. Zwischen den Stühlen stand Werkself-Trainerin Doreen Meier. "Wenn uns das vor der Saison einer gesagt hätte, dass wir gegen diese Mannschaft einen Punkt holen, wäre ich nicht unzufrieden gewesen", so Meier. "Wir haben uns heute selbst im Weg gestanden", haderte Meier nach dem Schlusspfiff. "Nach dem 4:2 haben wir das Spiel völlig aus der Hand gegeben, waren plötzlich ungewohnt nervös und haben Stellungsfehler gemacht, die ich so diese Saison noch nie gesehen habe. Eine Spitzenmannschaft wie Köln lässt sich da natürlich nicht zweimal bitten. Es ist schon eine Enttäuschung, dass wir den Sack nicht zumachen konnten, zumal wir bei den Lattentreffern auch Pech hatten. Aber letzten Endes liegen wir immer noch drei Punkte vor dem FC, sind Spitzenreiter und können uns nächste Woche die Herbstmeisterschaft sichern. Ich freue mich sehr, dass wir erneut eine so sensationelle Kulisse hatten, ich denke, das Spiel war auch wieder richtig gute Werbung für den Frauenfußball."
  

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Über Sinn und Unsinn der Aufstiegsregelung zur 1. Bundesliga,

ein Kommentar von Michael Kresse

Die Diskussion über die (Aufstiegs-)Gerechtigkeit im Fußball ist in etwa so alt, wie die Sportart selbst, sie wird den Fußball wohl  auch ewig begleiten. Das vor allem Mannschaften, die knapp und/oder unglücklich am Aufstieg scheitern, gelegentlich den ganzen Sinn einer bestehenden Aufstiegsregelung in Frage stellt, liegt in der Natur von Sportlichem Wettkampf, menschlichem Ehrgeiz und Gerechtigkeitsempfinden, während die Profiteure eines Systems ebenso natürlich weniger Grund zur Klage haben. Auch wenn die Entscheidung um Platz Eins in der 1. Bundesliga noch völlig offen ist, welcher der beiden rheinischen Rivalen auf der Strecke bleibt (Sindelfingen sehen wir klar auf Platz drei), weniger offen ist die Prognose, dass der Unterlegene am Sinn der Aufstiegsregelung zweifeln wird und das nicht zu Recht, völlig unabhängig davon, ob Köln oder Leverkusen der Unglückliche sein wird.

Im Norden ist der Punkteabstand von Victoria Gersten, seines Zeichens der nächstplatzierte, aufstiegsberechtigte Konkurrent des Tabellenführer Herforder SV auf einen Abstiegsplatz (9 Punkte) kleiner, als eben zu Platz Eins (11 Punkte). Im Süden dagegen lieferten sich die beiden rheinischen Rivalen am Freitagabend vor 1250 Zuschauern und vorher schon in der ganzen Saison ein Duell auf Augenhöhe mit höchstem Zweitliganiveau. Da Herford nach dem Abstieg aus der Bundesliga trotz des Abgangs von Nationalspielerin Kerstin Steegemann die Zweite Liga Nord derart dominiert, drängt sich die Frage auf, wie ein Duell im Playoff-Modus zwischen dem Unterlegenen des Duells Leverkusen ./. Köln mit dem Herforder SV enden würde. Vielleicht würde Herford sich ja trotzdem durchsetzen, aber da es dieses Duell nicht geben wird, werden wir auch keine Antwort auf diese Frage bekommen.

Aber was spricht eigentlich gegen den Playoff-Modus? Die Südstaffel der Zweiten Bundesliga gilt in Fachkreisen seit Jahren als die stärkere, entsprechend groß war das Kopfschütteln, als Absteiger Wattenscheid 2008 und damals noch mit einer starken Mannschaft in die Südstaffel eingeteilt wurde. Ein klassisches Argument für die bestehende Regelung ist, dass der Meister auch aufsteigen soll. Das leuchtet auf den ersten Blick auch irgendwie ein. Ebenso einleuchtend ist die These, dass die beiden stärksten Mannschaften aufsteigen soll. Mit einer vergleichbaren Fragestellung sah sich der DFB bei der Frage nach dem besten Modus zur Ermittelung des Deutschen Meisters vor 1997 konfrontiert, als auch die 1. Bundesliga in zwei Gruppen geteilt war, eine Süd- und eine Nordgruppe, so wie heute die 2. Bundesliga. Obwohl die Ermittelung des Deutschen Meisters nur über ein Duell der beiden Meister in den Gruppen Nord und Süd hier noch eher vertretbar gewesen wäre, da es hier nur um die Vergabe eines Titels an eine Mannschaft ging, während es beim Aufstieg in die 1. Bundesliga um die Vergabe zweier Plätze an zwei Mannschaften ging, wählte der DFB seinerzeit den Modus über Halbfinale und Finale, im Halbfinale spielten über Kreuz Meister Süd gegen Vizemeister Nord und Meister Nord gegen Vizemeister Süd und die beiden Sieger dieser Duelle ermittelten dann den Deutschen Meister. Was spricht also dagegen, bei der Vergabe von zwei Aufstiegsplätzen möglichst an die zwei stärksten Mannschaften den selben Modus zu nehmen, Zweiter Nord gegen Erster Süd und Zweiter Süd gegen Erster Nord, zumal DFB und DFL im Herrenbereich erst 2009 die Relegationsspiele wiederbelebt haben? Spiele, die so ganz nebenbei auch viele Zuschauer anziehen würden und interessant wären für eine Fernsehvermarktung  der Marke Frauenfußball. Wir wissen es nicht.

 

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Die Fakten zum Spiel

 

TSV Bayer 1904 Leverkusen - 1.FC Köln 1901/1907 4:4 (1:1)

Bayer: 1 Lisa Schmitz – 3 Johanna Elsig, 4 Kathrin Julia Hendrich, 5 Theresa Tüllmann, 10 Kerstin Stein, 14 Carolin Dej (80.: 9 Silke Tancyus), 15 Vanessa Baudzus (C), 16 Lynn Julia Mester, 18 Stephanie Mpalaskas, 19 Lisa Schwab, 23 Isabelle Linden (57.: 2 Audrey Knopp) - Trainer: Doreen Meier

Nicht eingesetzt: 22 Ina Quast (ETW), 8 Eliza Janzen, 13 Sarah Kramer, 17 Jacqueline Dünker, 21 Maren Henseler

Köln: 30 Kathrin Wojtasik - 6 Susanne Kasperczyk (76.: 2 Jeanette Blömen), 7 Nicole Bender, 8 Anne Lenz, 9 Frauke Renner, 10 Patricia Hanebeck, 11 Bilgin Defterli, 15 Sonja Fuss, 18 Julia Pfannschmidt (69.: 21 Nina Windmüller), 19 Maike Seuren, 23 Paula Balzer  - Trainer: Klaus Schmischke

Nicht eingesetzt: 1 Marina Hergenröther (ETW), 3 Romina Frommont, 4 Catherine Zaumseil, 16 Lena Schüth, 17 Yvonne Zielinski

Zuschauer: 1.250 im Stadion der Sportanlage Kurtekotten in Köln-Flittard, die damit voll ausgelastet war. Der Zuschauerschnitt bei Heimspielen der Werkself stieg damit von 275 auf 470.

Schiedsrichterin: Marina Wozniak (DJK Falkenhorst Herne 1909, Kreis Herne, Westfalen) Note 5.

SRA1: Monique Klauß (VfB Speldorf Mülheim 1919, Kreis Duisburg-Mülheim-Dinslaken, Niederrhein)

SRA2: Kathrin Heimann (SV Zweckel 1923, Kreis Gelsenkirchen, Westfalen)

 

Tore: 1:0 Lisa Schwab (18.), 1:1 Bilgin Defterli (41.), 2:1 Lisa Schwab (54.), 2:2 Bilgin Defterli (56.), 3:2 Lisa Schwab (59.), 4:2 Lynn Julia Mester (64.), 4:3 Nicole Bender (74.), 4:4 Sonja Fuss (84.)

Gelbe Karten: Kathrin Julia Hendrich (41.), Johanna Elsig (75.), Stephanie Mpalaskas (88.) - Jeanette Blömen (90.+2)

Platzverweise: Keine

 

Torchancen: 1:1 (6:6)

Ecken: 2:11 (1:8)

Abseits: 5:4 (2:2)

Spielnote: 1,5 - Werbung für den Frauenfußball, viele Tore und Wendungen und Dramatik, alles das, was ein Derby braucht

 

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Zahlen und Fakten, Teil II: Mannschaftskader und Einsatzstatistik beider Mannschaften

Die Infos zu beiden Kader und den bisherigen Spielen in unseren Kadervorlagen mit einem Klick auf einen Blick:

 

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Ausflug in die Historie: SSG 1909 Bergisch Gladbach - SV Grün-Weiß Brauweiler

Rassige Derbies am Rhein gab es auch schon früher, als die Vorgänger Bergisch Gladbach (ab 1996 als TuS Köln rrh. und seit 2008 als Bayer Leverkusen) und Grün-Weiß Brauweiler (ab 2000 als FFC~ und seit 2009 als 1.FC Köln aufeinandertrafen). Dass Frauenfußball nach der ersten Welle der Euphorie 1989 noch nicht die Massen so anzog wie heute, lag sicher auch daran, dass der Frauenfußball damals irgendwo außerhalb der großen Städte gespielt wurde bzw.

   

Bergisch Gladbach, dass Anfang der 1980er Jahre bei einem Spiel um die Deutsche Meisterschaft gegen Bayern München 12.000 Zuschauer an die Paffrather Straße lockte und damit einen lange geltenden Zuschauerrekord aufstellte, 1989 schon auf dem absteigenden Ast war. Zwar wurde die SSG 1988 und 1989 noch mal Deutscher Meister, beide Titel waren aber eine Überraschung, erreicht mit einer blutjungen Mannschaft. Brauweilers große Zeit waren die 1990er Jahre mit einem Meistertitel und drei Pokalsiegertiteln (1991 als bis heute einziger Zweitligist sowie 1994 und 1997).

Aber der Abteisportpark im beschaulichen Brauweiler ist kein Vergleich zu Stadien wie dem Franz-Kremer-Stadion oder der BayArena und so ging es vielen Mannschaften, wenn man mal von Ausnahmen wie den Sportfreunden Siegen (Kreisstadt, Leimbachstadion) oder FSV Frankfurt (Großstadt, Stadion am Bornheimer Hang) absieht. Was aber allen Mannschaften in früheren Tagen gefehlt hat, war das Fehlen zahlungskräftiger Sponsoren, die nun an beiden Ufern des Rheins professionelle (Trainings-) Bedingungen und Rahmenbedingungen ermöglichen. In Leverkusen die Bayer AG, die eine jahrzehntelange Tradition in der Förderung des Frauen-Spitzenssports hat und beim FC hat sich auf dessen diesjähriger FC-Mitgliederversammlung  Friedrich Neukirch, der Deutschland-Chef des Pharma-Unternehmens Klosterfrau und einer der FC-Vizepräsidenten, als die treibende Kraft für die Förderung des Frauenfußball gezeigt.

 

Direkt aus unserem Archiv nun die Ergebnisse der letzten Duelle im Überblick aus Sicht von Berg. Gladbach (als Vorgänger der heutigen Heimmannschaft, H = Heim, A = Auswärts):

 

Saison

Liga

Spiele

Abschlussplatzierung

Bergisch Gladbach

Abschlussplatzierung

Brauweiler

1993/94

1.BL-Nord

0:6 (H), 0:4 (A)

9. (Abstieg)

 2.

1992/93

1.BL-Nord

0:3 (H), 1:3 (A)

8.

 2.

1991/92

1.BL-Nord

1:1 (H), 1:2 (A)

3.

10.

1990/91

--

Bg. Gl. in 1.BL, Brw. in RL

3.

 1. (Aufstieg)

1989/90*

RL West

1:1 (H), 1:1 (A)

3.

 4.

1988/89

RL West

2:1 (H), 1:2 (A)

2.

 3.

1987/88

RL West

3:1 (H), 2:0 (A)

1.

 9.

1986/87

--

Bg. Gl. in RL, Brw. in VL

2.

 1. (Aufstieg)

1985/86

RL West

3:0 (H), 3:3 (A)

3.

12.

1984/85*

VL

6:0 (H), 7:0 (A)

1.

 4.

 

Anmerkung:

Seit 1990 ist die 1. Bundesliga die höchste Spielklasse,

von 1985 bis 1990 war die Regionalliga West (RL) die höchste Spielklasse

von 1976 bis 1985 war die Verbandsliga Mittelrhein die (VL) höchste Spielklasse

 

In unserem im Sommer 2011 erscheinenden Buch "40 Jahre Frauenfußball werdet ihr unter anderem alle Ergebnisse bis zur Landesliga am Mittelrhein nachlesen können.

 

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Zuletzt aktualisiert: 30.11.2009

© Michael Kresse, 51061 Köln-Flittard