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1250
Zuschauer, acht Tore, kein Sieger beim ersten Rheinderby
Im mit Spannung erwarteten, ersten von
zwei de-facto-Endspielen um die Macht am Rhein & Aufstieg in die 1.
Bundesliga sahen die Zuschauer ein spektakuläres Spiel mit zwei jeweils
völlig verschiedenen Spielhälften in beiden Halbzeiten

von Thomas Arndt und Michael Kresse
Der
Überblick
Ausgangssituation
1. Halbzeit
2. Halbzeit
Spielerin des Spiels
Fazit
Zu den Schiedsrichterinnen
Stimmen zum Spiel
Über Sinn und Unsinn der Aufstiegsregelung zur 1. Bundesliga, ein Kommentar
Die Fakten zum Spiel
Zahlen und Fakten, Teil II: Mannschaftskader und Einsatzstatistik beider Mannschaften
Ausflug in die Historie: SSG 1909 Bergisch Gladbach - SV Grün-Weiß Brauweiler
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Ausgangssituation
Freitag Abend, 27.11.2009, endlich war es
soweit: Bayer Leverkusen - 1.FC Köln, dieses spannungsgeladene
Nachbarschaftsduell erstmals auch bei den Frauen. Erhöht hat sich der
Reiz noch zusätzlich durch die prickelnde Tabellensituation verbunden
mit der Gewissheit, dass einer von beiden am Ende auch in die 1.
Bundesliga aufsteigen wird. Nach dem sich beide Mannschaften bis zum
vergangenen Samstag ein Kopf-an-Kopfrennen um die Tabellenspitze
lieferten, bis der FC gegen den Tabellendritten und bisherigen
Abonnement-Vizemeister der Zweiten Liga Süd, VfL Sindelfingen, den
Ausfall seiner beiden wichtigsten Spielerinnen (Patricia Hanebeck
verletzt, Bilgin Defterli in der WM-Quali unterwegs) nicht kompensieren
konnte und zwar feldüberlegen aber doch relativ konzeptlos wirkend mit
0:1 verlor. Sindelfingen trotzte am 4. Spieltag auch der Werkself einen
Punkt ab, mehr als Platz Drei und noch die eine oder andere Show-Einlage
auf der Trainerbank ist hier aber nicht zu erwarten.
Am hitzigsten geführt wurde dieses erste
Derby im Vorfeld, als es um die Terminierung der Partie ging. An den für
Derbies übliche Termin Sonntag 14 Uhr Sonntag, war deshalb schon nicht
zu denken, weil am Sonntag um 15:30 die Herren gegen den VfB Stuttgart
spielen und aus verkehrstechnischen Gründen dann keine der drei in Frage
kommenden Anlagen möglich gewesen wäre. Dies war den Beteiligten auch
schnell klar, unklarer blieb lange der Ausweichtermin. Die Gastgeber
favorisierten den Freitag Abend, die Gäste, deren
Männer-Bundesligamannschaft (in Bochum) und U23-Mannschaft (gegen
Saarbrücken) ebenfalls am Freitagabend im Einsatz sein sollten,
favorisierten den Samstag Abend. Neben einer zahlenmäßig stärkeren
Unterstützung durch eigene Fans hatten die FC-Verantwortlichen dabei
auch im Hinterkopf, dass ihre beste Stürmerin Bilgin Defterli am
Donnerstag noch das WM-Qualifikationsspiel Türkei - England bestreiten
würde. Das ist mit Sicherheit auch den Verantwortlichen von Bayer nicht
entgangen, die dich eine Woche zuvor beim Spiel Köln - Sindelfingen vor
Ort davon überzeugen konnten, wie es um die FC-Offensive ohne die
türkische Rekordnationalspielerin bestellt ist.
Das man von seinem Heimrecht insofern
Gebrauch macht, dass man für sich selber eine möglich günstige
Ausgangsposition bekommt, ist für den Gegner nicht immer schön, gehört
aber zum Geschäft. Das Spiele verlegt werden können bei Abstellungen für
Auswahlmannschaften, ist im Amateurbereich zwar üblich, nicht aber im
nationalen Spitzenfußball. Schließlich müssten ja sonst zum Beispiel
Bundesligamannschaften in Deutschland aufgrund der
Männer-Afrikameisterschaft alle zwei Jahre einzelne Spiele verlegt
werden bzw. in England und Frankreich ganze Spieltage verlegt werden.
Auch hier kann man sagen: Nicht schön für den FC, aber die Bundesliga
ist kein Geschäft der Nächstenliebe.
Einen bitteren Beigeschmack gab es dann
aber noch am Montag vor dem Spiel. Den Ausschlag für die Terminierung
auf den Freitag gab die Einstufung des Spiels als Sicherheitsspiel.
Inwiefern die Polizei da von selber darauf gekommen ist oder nicht,
können und wollen wir nicht beurteilen. Das aber dann am Montag vor dem
Spiel auf einmal die offizielle Bestätigung kommt, dass es sich nun doch
nicht um ein Sicherheitsspiel handelt, stieß besonders in Köln aber
sicher nicht nur dort für Unverständnis, in jedem Fall dürften nach
diesem leidenschaftlichen Vorspiel beide Mannschaften bis unter die
Haarspitzen topmotiviert gewesen sein, die Vorfreude auf ein intensives
Derby, in dem nicht auch nur ein Grashalm kampflos verschenkt wird war
groß und berechtigt.
Auf dem Platz sollten sich schließlich
nicht nur die beiden Mannschaften als bundesligatauglich erweisen,
sondern auch der enorme Zuschauerzuspruch. An einem Freitag Abend waren
für diese Liga rekordverdächtige 1.250 Zuschauer gekommen, davon -
gemessen an den Lautstärken der Torjubel auf den Rängen - rund die
Hälfte aus Köln, um die beiden Rivalen vom Rhein zu sehen. Man hatte ein
von Taktik geprägtes Spiel erwartet bei dem Torszenen Mangelware sein
würden, ein Typisches Spitzenspiel eben, aber es kam ganz anders. Das es
aber acht Tore plus zwei Lattenknaller geben sollte, konnte man nicht
unbedingt erwarten.
Übrigens, wer noch die Infos zu den beiden
letzten Spielen der Türkei gegen Spanien (0:5, überraschend hoch, mit
Laura del Rio musste Spanien auf seine mit Abstand beste Stürmerin
verzichten) und England (0:3) sucht, wird hier fündig:
Türkei - Spanien 0:5
21 November 2009 13:00 (CET) - Stadion 19 Mayıs
in Manisa
http://www.uefa.com/competitions/wowc/fixturesresults/round=2000048/match=2001107/index.html
Türkei - England 0:3
26 November 2009 13:00 (CET) - Stadion Yeni Buca
in Izmir
http://www.uefa.com/competitions/WOWC/fixturesresults/round=2000048/match=2001104/index.html
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zum Überblick
1.
Halbzeit
Zunächst schien sich tatsächlich ein von
taktischen Zwängen gelähmtes, typischen Spitzenspiel mit wenigen
Torraumszenen zu kommen, beide Mannschaften brauchen ein paar Minuten um
ins Spiel zu finden, wobei Bayer optisch überlegen agierte. Der Weckruf
war dann eine Chance quasi aus dem nichts. Nach 8 Minuten eroberte die
Leverkusenerin Lisa Schwab den Ball und lief allein auf Kölns Torfrau
Kathrin Wojtasik zu, doch die konnte parieren. Nun ging es Schlag auf
Schlag. Ein ganz langer Ball von Vanessa Baudzus, der wohl kaum als
Torschuss geplant war, ging aber an Freund und Feind vorbei und sprang
eingangs des Strafraums vor Wojtasik auf, die konnte den Ball vom Wind
getragenen Ball noch mit letztem Einsatz über die Latte bugsieren. Auf
der anderen Seite flankte Meike Seuren vielversprechend in den Strafraum
und die von Ihrem Länderspieleinsatz gerade rechtzeitig zurückgekehrte
Bilgin Defterli verpasste den Ball nur um Zentimeter. Immer wieder die
gleiche Szenerie. Köln baute das Spiel langsam auf, während Leverkusen
seine Angriffe immer sehr schnell spielte, zumeist über die rechte Seite
durch Carolin Dej, da Kölns linker Abwehrflügel zum Teil eklatante
Löcher hatte. Chancen gab es auf beiden Seiten mit anfangs deutlichen
Vorteilen für Leverkusen. Das 1:0 war dann aber eins aus der
Kuriositätenkiste, bei dem sich Leverkusens Torfrau Lisa Schmitz einen
Scorerpunkt verdiente. Der lange Abschlag in der 18. Minute senkte sich
erst in der Spielhälfte der Kölnerinnen und somit hinter der
Abwehrreihe. Die einzige, die schnell genug schaltete, war Lisa Schwab.
Sie nahm den Ball mit und lief alleine auf Wojasik zu. Ein schöner Heber
zur Vollendung des Tor‘s. Sah es doch vor dem 1:0 so aus, als würde Köln
besser ins Spiel kommen, verloren die Gäste nun kurzzeitig die
Übersicht. Ein Schuss von Caroline Dej, der die Latte küsste, und
weitere Chancen durch Isabelle Linden und Lisa Schwab folgten.
Doch in der letzten Viertelstunde der
ersten Halbzeit ließ die Heimmannschaft nach und Köln bestimmte jetzt
klar das Spiel. Doreen Meier brachte es in der Halbzeitansprache
auf den Punkt. "Wir verfilmen die letzten fünfzehn Minuten und nennen
das ganze >Wie baue ich einen Gegner auf?<" Einen Pass aus dem
Mittelfeld in den Strafraum der Leverkusenerinnen wurde in der 41.
Minute von Julia Pfannschmidt aufgenommen, sie vernaschte gleich zwei
Leverkusener Verteidigerinnen und hatte die Übersicht, um quer auf die
in der Mitte wartende Torjägerin Bilgin Defterli zu spielen. Billy
schoss dann humorlos zum 1:1 ein. Nach dem Ausgleich hatten die
Leverkusenerinnen noch einige bange Minuten zu überstehen. Nicht weniger
als fünf Ecken konnte Köln noch rausholen und eine große Chance wiederum
durch Defterli wurde zur Ecke geklärt.
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2. Halbzeit
Die erste Möglichkeit in der zweiten
Halbzeit hatten die Kölnerinnen. Pfannschmidt spielte mustergültig auf
Defterli und die Schoss knapp am Tor vorbei. Doch das 2:1 fiel für die
Heimmannschaft: In der hatte die Welt- und Europameisterin Sonja Fuss
den Ball eigentlich sicher, aber die heran stürmende Lisa Schwab
erkämpfte sich den Ball und hatte keine Mühe mehr, ihr zweites Tor zu
erzielen. So etwas wie Schockstarre wie noch in der ersten Halbzeit gab
es bei den Kölnerinnen diesmal aber nicht. Schon zwei Minuten konterte
Billy mit Ihrem zweiten Tor und wieder war es Julia Pfannschmidt mit
einem schönen Pass, die das Tor vorbereitete. Das Spiel wogte hin und
her und man konnte sehen, dass beide Mannschaften mehr wollten. In der
58. Minute war es ein unnötiger Fehler von Anne Lenz, der Lisa Schwab
das 3:2 ermöglichte. Wiederum ein krasser Abwehrfehler und wiederum eine
feine Einzelleistung von Schwab führten zum Tor. Nach einem Kopfball von
Mester kam es dann sogar zum 4:2. In der 64. Minute war die dreifache
Torschützin Schwab nun die Vorlagengeberin. Lynn Julia Mester war allein
gelassen im Strafraum und ließ Wojtasik keine Chance. Viele Zuschauer
hatten nun gedacht, dass das Spiel eigentlich gelaufen sein müsste, Köln
schwamm in dieser Phase so sehr, dass gar ein Debakel drohte. Das Manko
der jungen Leverkusener Mannschaft scheint aber, dass sie noch nicht so
abgeklärt sind um ein Ergebnis zu „verwalten“. Köln fand wieder ins
Spiel, machte Druck und anstatt den Ball zu halten, verloren nun die
Leverkusenerinnen mehr und mehr die Übersicht. Ein Angriff in der 73.
Minute über die rechte Seite leitete dann den Kölner Anschlusstreffer
zum 3:4 ein. Die eingewechselte Nina Windmüller, die vor der Saison von
Leverkusen auf die andere Rheinseite gewechselt war, flankte in den
Strafraum und Nicole Bender brachte den FC wieder zurück ins Spiel.
Weitere Chancen folgten. Die größte war dann ein Pass aus dem Mittelfeld
auf Defterli, die wurde dann unsanft gestoppt von Johanna Elsig. Die
heute nicht überzeugende Schiedsrichterin Marina Wozniak zeigte Elsig
dafür „nur“ Gelb. Angesichts dessen, dass Billy durchgewesen wäre und
ihr so regelwiedrig eine gute Schusschance genommen wurde, durfte die
U19-Nationalspielerin mit dem gelben Karton sehr zufrieden sein. In der
84. Minute dann doch der verdiente Ausgleich. Nach einer Ecke von Meike
Seuren konnte Sonja Fuss Ihren Schnitzer beim 2:1 wieder gut machen und
köpfte zum 4:4 ein. In den letzten Minuten ging es weiter hin und her
und beide Mannschaften spielten auf Sieg. In der Nachspielzeit dann eine
weitere fragwürdige Entscheidung der Schiedsrichterin. Wiederum war
Schwab durch die Kölner Abwehr spaziert und dieses mal wurde sie
rotwürdig von Jeanette Blömen von den Beinen geholt, weit und breit
sonst keine Abwehrspielerin mehr vom FC, die Lisa Schwab noch hätte am
Abschluss hindern können, eine Notbremse in Reinform. Aber wie schon bei
der Situation auf der anderen Seite sah auch Blömen „nur“ Gelb. War das
eine Konzessionsentscheidung ?
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Die Spielerin des Spiels
In dieser Kategorie haben wir dieses Mal
ein salomonisches Urteil gewählt, indem wir von beiden Mannschaften je
eine Spielerin ausgewählt haben, zumal beide Mannschaften tollen Fußball
spielten und es bei beiden Mannschaften jeweils eine herausragende
Akteurin gab: Lisa Schwab (Bayer) und Bilgin Defterli (Köln):
Lisa Schwab war durch Ihre drei Tore
und Ihre Vorbereitung des vierten Tor‘s die Überragende Spielerin auf
Leverkusener Seite. Ihr zweites und drittes Tor waren feine
Einzelleistungen bei denen Sie Zweikampfstärke zeigte. Beim ersten Tor
und bei weiteren Möglichkeiten war Sie geistig die schnellste, reagierte
bevor in der Kölner Abwehr jemand bemerkt hatte, was da passiert war und
zeigte dabei eine Technik zum mit der Zunge schnalzen. Mit Ihrer Technik
und Schnelligkeit brachte sie Kölns Hintermannshaft ein ums andere Mal
ins Schwimmen. Gästetrainer Klaus Schmischke "Lisa Schwab
machte heute den Unterschied aus".
Bilgin Defterli traf wieder doppelt, und ging ungewohnt weite
Wege. Dabei hätte sie nach ihren eingangs erwähnten Reisestrapazen in
der WM-Qualifikation mit dem letzten Spiel gerade mal 29 Stunden allen
Grund gehabt, eine weniger gute Leistung zu entschuldigen. Dazu war sie
nach der schweren Verletzung von Charline Hartmann (Mittelfußbruch) im
Spiel gegen Sindelfingen heute nominell die einzige Stürmerin. Doch
davon auf dem Platz nichts zu sehen, Billy kämpfte um jeden Ball,
jagte dem Ball bis zurück zur Mittellinie hinterher, gab sich in keinem
(Lauf-)Duell geschlagen, bei einzelnen Leverkusener Angriffen half Sie
auch mal in der Abwehr aus. Von ihrer Schwäche, dem Spiel nach hinten
war heute nichts zu sehen, dazu torgefährlich wie immer und eine echte
Kämpferin entgegen aller Müdigkeit von der 1. bis zur 94. Minute.
Für die Leistung beide Spielerinnen die Note 1
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Fazit
4:4 Was für ein Spiel ! Ein Hauch von
Bundesliga wehte durchs Stadion, zumindest was die Leistung der Sportler
in den weißen und roten Trikots betrifft. In einem tollen Spiel sahen
die Zuschauer alles, was guten Fußball ausmacht und dabei zwei
überragende Stürmerinnen. Einfach klasse, was beide Mannschaften heute
ablieferten: Acht Tore: Tempofußball vom Feinsten. Mal dominierten die
Einen, mal die Anderen, der Absolute Siegeswille auf beiden Seiten und
kaum Leerlauf in einem unterhaltsamen, kurzweiligen Spiel. Das war
Werbung für den Frauenfußball! Jeder der das Spiel heute gesehen hat,
hat zwei Mannschaften gesehen, die in der Bundesliga mit Sicherheit
mithalten könnten. Schade, dass am Ende nur eine der beiden Mannschaften
aufsteigen wird, mehr dazu im nachfolgenden Kommentar. Beide können mit
dem Ergebnis leben: Leverkusen verteidigt seinen Dreipunktevorsprung auf
den FC, dieser wiederum mit diesem vor allem für die Moral wichtigen
Auswärtspunkt den Tabellenführer in Schlagdistanz behält. Allerdings
stellt sich bei der Stürmersituation nach dem Mittelfußbruch von
Charline Hartmann sie Frage, ob die Geißböcke in der Winterpause nicht
doch noch nachrüsten, auch wenn der Eindruck, der sich zumindest einem
Außenstehenden nach den jüngsten FC-Liebesbekundungen von Inka Grings
aufdrängt, wohl zumindest für die Winterpause ins Reich der rot-weißen
Träume gehört.
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Zu den
Schiedsrichterinnen
Zu unserer großen Überraschung wurde im
Gespann nicht die auf der Fotografen- bzw. Trainerbankseite eingesetzte,
erfahrene Monique Klauß, sondern die für ihre Launen allseits bekannte
Marina Wozniak als Haupt-Schiedsrichterin eingesetzt. Eine schlechte
Entscheidung, wie sich zeigen sollte. Während die Assistentin bei allen
Abseitsentscheidungen richtig lag (die Entscheidungen auf der anderen
Seite können wir nicht beurteilen), lieferte Frau Wozniak ihren
Kritikern jede Menge Nahrung. Klare Linie: Fehlentscheidung. Die erste
gelbe Karte des Spiels gab es für ein Allerweltsfoul von Kathrin Julia
Hendrich, für ein härteres, gelbwürdiges Foul zuvor gab es kein gelb.
Die nicht vorhandene klare Linie zog sich wie ein roter Faden durch das
Spiel. In Halbzeit zwei hätte je sie einmal rot geben können (Johanna
Elsig Foul an Billy) bzw. müssen Jeanette Blömen mit einer
Bilderbuchnotbremse). Den absoluten Knaller brachte Frau Wozniak, als
sie bei einem Freistoß für Köln beim Stande von 4:2 für Leverkusen die
Kölner (!) Spielführerin Sonja Fuß aufforderte, sich zu beeilen. Bei dem
Schiedsrichterlehrgang, wo das beigebracht wird, wären wir gerne mal
dabei. Kurzum: Note 5.
Schade, dass der DFB nicht sein größtes
Talent aus NRW, die aus Düsseldorf stammende Marija Kurtes, für dieses
wichtigste Spiel der Hinrunde ansetzte. Ihre starke Leistung und ihr
Fingerspitzengefühl, wie beim ebenfalls spannungsgeladenen Spiel Köln
gegen Sindelfingen eine Woche zuvor, hätte dieses Spiel verdient gehabt.
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Stimmen zum Spiel
Kölns Torfrau Kathrin Wojtasik zeigte sich
nur teilweise zufrieden. "Wenn man vier Gegentore bekommt kann man
eigentlich nicht zufrieden sein aber wenn man nach einem 2:4 noch
unentschieden spielt dann muss man schon zufrieden sein." Begeistert
zeigte sich Bettina Wiegmann. Die U15-Bundestrainerin und 154-fache
A-Nationalspielerin, die bis 2001 selber in Brauweiler spielte, sah ein
sehr gutes Spiel mit zwei sehr guten Mannschaften. Ein größeres
Kompliment als "Da war alles drin, was man als Fußballfan sehen möchte"
von der DFB-Ehrenspielführerin kann ein (Zweitliga-)Spiel nicht
bekommen. FC-Trainer Klaus Schmischke war erkennbar nicht zu jeder Phase
des Spiels mit seiner Mannschaft zufrieden, am Ende überwog aber
deutlich die Zufriedenheit mit den Stehaufqualitäten seiner Elf: Mit den
Worten "Ich muss meinem Team ein großes Kompliment machen, dass es
diese häufigen Rückstände so weggesteckt hat. Diese Moral spricht
absolut für die Mannschaft" lobte er seine Mannschaft. Zwischen den
Stühlen stand Werkself-Trainerin Doreen Meier. "Wenn uns das vor der
Saison einer gesagt hätte, dass wir gegen diese Mannschaft einen Punkt
holen, wäre ich nicht unzufrieden gewesen", so Meier.
"Wir haben uns heute selbst im Weg gestanden", haderte Meier nach dem Schlusspfiff. "Nach dem 4:2 haben wir
das Spiel völlig aus der Hand gegeben, waren plötzlich ungewohnt nervös
und haben Stellungsfehler gemacht, die ich so diese Saison noch nie
gesehen habe. Eine Spitzenmannschaft wie Köln lässt sich da natürlich
nicht zweimal bitten. Es ist schon eine Enttäuschung, dass wir den Sack
nicht zumachen konnten, zumal wir bei den Lattentreffern auch Pech
hatten. Aber letzten Endes liegen wir immer noch drei Punkte vor dem FC,
sind Spitzenreiter und können uns nächste Woche die Herbstmeisterschaft
sichern. Ich freue mich sehr, dass wir erneut eine so sensationelle
Kulisse hatten, ich denke, das Spiel war auch wieder richtig gute
Werbung für den Frauenfußball."
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Über
Sinn und Unsinn der Aufstiegsregelung zur 1. Bundesliga,
ein
Kommentar von Michael Kresse
Die Diskussion über die
(Aufstiegs-)Gerechtigkeit im Fußball ist in etwa so alt, wie die
Sportart selbst, sie wird den Fußball wohl auch ewig begleiten.
Das vor allem Mannschaften, die knapp und/oder unglücklich am Aufstieg
scheitern, gelegentlich den ganzen Sinn einer bestehenden
Aufstiegsregelung in Frage stellt, liegt in der Natur von Sportlichem
Wettkampf, menschlichem Ehrgeiz und Gerechtigkeitsempfinden, während die
Profiteure eines Systems ebenso natürlich weniger Grund zur Klage haben.
Auch wenn die Entscheidung um Platz Eins in der 1. Bundesliga noch
völlig offen ist, welcher der beiden rheinischen Rivalen auf der Strecke
bleibt (Sindelfingen sehen wir klar auf Platz drei), weniger offen ist
die Prognose, dass der Unterlegene am Sinn der Aufstiegsregelung
zweifeln wird und das nicht zu Recht, völlig unabhängig davon, ob Köln
oder Leverkusen der Unglückliche sein wird.
Im Norden ist der Punkteabstand von
Victoria Gersten, seines Zeichens der nächstplatzierte,
aufstiegsberechtigte Konkurrent des Tabellenführer Herforder SV auf
einen Abstiegsplatz (9 Punkte) kleiner, als eben zu Platz Eins (11
Punkte). Im Süden dagegen lieferten sich die beiden rheinischen Rivalen
am Freitagabend vor 1250 Zuschauern und vorher schon in der ganzen
Saison ein Duell auf Augenhöhe mit höchstem Zweitliganiveau. Da Herford
nach dem Abstieg aus der Bundesliga trotz des Abgangs von
Nationalspielerin Kerstin Steegemann die Zweite Liga Nord derart
dominiert, drängt sich die Frage auf, wie ein Duell im Playoff-Modus
zwischen dem Unterlegenen des Duells Leverkusen ./. Köln mit dem
Herforder SV enden würde. Vielleicht würde Herford sich ja trotzdem
durchsetzen, aber da es dieses Duell nicht geben wird, werden wir auch
keine Antwort auf diese Frage bekommen.
Aber was spricht eigentlich gegen den
Playoff-Modus? Die Südstaffel der Zweiten Bundesliga gilt in Fachkreisen
seit Jahren als die stärkere, entsprechend groß war das Kopfschütteln,
als Absteiger Wattenscheid 2008 und damals noch mit einer starken
Mannschaft in die Südstaffel eingeteilt wurde. Ein klassisches Argument
für die bestehende Regelung ist, dass der Meister auch aufsteigen soll.
Das leuchtet auf den ersten Blick auch irgendwie ein. Ebenso
einleuchtend ist die These, dass die beiden stärksten Mannschaften
aufsteigen soll. Mit einer vergleichbaren Fragestellung sah sich der DFB
bei der Frage nach dem besten Modus zur Ermittelung des Deutschen
Meisters vor 1997 konfrontiert, als auch die 1. Bundesliga in zwei
Gruppen geteilt war, eine Süd- und eine Nordgruppe, so wie heute die 2.
Bundesliga. Obwohl die Ermittelung des Deutschen Meisters nur über ein
Duell der beiden Meister in den Gruppen Nord und Süd hier noch eher
vertretbar gewesen wäre, da es hier nur um die Vergabe eines Titels
an eine Mannschaft ging, während es beim Aufstieg in die 1.
Bundesliga um die Vergabe zweier Plätze an zwei Mannschaften
ging, wählte der DFB seinerzeit den Modus über Halbfinale und Finale, im
Halbfinale spielten über Kreuz Meister Süd gegen Vizemeister Nord und
Meister Nord gegen Vizemeister Süd und die beiden Sieger dieser Duelle
ermittelten dann den Deutschen Meister. Was spricht also dagegen, bei
der Vergabe von zwei Aufstiegsplätzen möglichst an die zwei stärksten
Mannschaften den selben Modus zu nehmen, Zweiter Nord gegen Erster Süd
und Zweiter Süd gegen Erster Nord, zumal DFB und DFL im Herrenbereich
erst 2009 die Relegationsspiele wiederbelebt haben? Spiele, die so ganz
nebenbei auch viele Zuschauer anziehen würden und interessant wären für
eine Fernsehvermarktung der Marke Frauenfußball. Wir wissen es
nicht.
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Die Fakten
zum Spiel
TSV Bayer 1904 Leverkusen - 1.FC Köln
1901/1907 4:4 (1:1)
Bayer:
1 Lisa Schmitz – 3 Johanna Elsig, 4 Kathrin Julia Hendrich, 5 Theresa
Tüllmann, 10 Kerstin Stein, 14 Carolin Dej (80.: 9 Silke Tancyus), 15
Vanessa Baudzus (C), 16 Lynn Julia Mester, 18 Stephanie Mpalaskas, 19
Lisa Schwab, 23 Isabelle Linden (57.: 2 Audrey Knopp) - Trainer: Doreen Meier
Nicht eingesetzt: 22 Ina Quast (ETW), 8
Eliza Janzen, 13 Sarah Kramer, 17 Jacqueline Dünker, 21 Maren Henseler
Köln:
30 Kathrin Wojtasik - 6 Susanne Kasperczyk (76.: 2 Jeanette Blömen), 7
Nicole Bender, 8 Anne Lenz, 9 Frauke Renner, 10 Patricia Hanebeck, 11
Bilgin Defterli, 15 Sonja Fuss, 18 Julia Pfannschmidt (69.: 21 Nina
Windmüller), 19 Maike Seuren, 23 Paula Balzer - Trainer: Klaus Schmischke
Nicht eingesetzt: 1 Marina Hergenröther (ETW),
3 Romina Frommont, 4 Catherine Zaumseil, 16 Lena Schüth, 17 Yvonne
Zielinski
Zuschauer: 1.250 im Stadion der
Sportanlage Kurtekotten in Köln-Flittard, die damit voll ausgelastet war.
Der Zuschauerschnitt bei Heimspielen der Werkself stieg damit von 275
auf 470.
Schiedsrichterin: Marina Wozniak (DJK
Falkenhorst Herne 1909, Kreis Herne, Westfalen) Note 5.
SRA1: Monique Klauß (VfB Speldorf Mülheim
1919, Kreis Duisburg-Mülheim-Dinslaken, Niederrhein)
SRA2: Kathrin Heimann (SV Zweckel 1923,
Kreis Gelsenkirchen, Westfalen)
Tore: 1:0 Lisa Schwab (18.),
1:1 Bilgin Defterli (41.), 2:1 Lisa Schwab (54.), 2:2 Bilgin Defterli
(56.), 3:2 Lisa Schwab (59.), 4:2 Lynn Julia Mester (64.), 4:3 Nicole
Bender (74.), 4:4 Sonja Fuss (84.)
Gelbe Karten: Kathrin Julia Hendrich
(41.), Johanna Elsig (75.), Stephanie Mpalaskas (88.) - Jeanette Blömen
(90.+2)
Platzverweise: Keine
Torchancen: 1:1 (6:6)
Ecken: 2:11 (1:8)
Abseits: 5:4 (2:2)
Spielnote: 1,5 - Werbung für den
Frauenfußball, viele Tore und Wendungen und Dramatik, alles das, was ein
Derby braucht
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Zahlen und Fakten, Teil II: Mannschaftskader und Einsatzstatistik beider Mannschaften
Die Infos zu beiden Kader und den
bisherigen Spielen in unseren Kadervorlagen mit einem Klick auf einen
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Ausflug in die Historie: SSG
1909 Bergisch Gladbach - SV Grün-Weiß Brauweiler
Rassige Derbies am Rhein gab es auch schon
früher, als die Vorgänger Bergisch Gladbach (ab 1996 als TuS Köln rrh.
und seit 2008 als Bayer Leverkusen) und Grün-Weiß Brauweiler (ab 2000
als FFC~ und seit 2009 als 1.FC Köln aufeinandertrafen). Dass
Frauenfußball nach der ersten Welle der Euphorie 1989 noch nicht die
Massen so anzog wie heute, lag sicher auch daran, dass der Frauenfußball
damals irgendwo außerhalb der großen Städte gespielt wurde bzw.
|
 |
Bergisch Gladbach, dass Anfang der
1980er Jahre bei einem Spiel um die Deutsche Meisterschaft gegen
Bayern München 12.000 Zuschauer an die Paffrather Straße lockte und
damit einen lange geltenden Zuschauerrekord aufstellte, 1989 schon
auf dem absteigenden Ast war. Zwar wurde die SSG 1988 und 1989 noch
mal Deutscher Meister, beide Titel waren aber eine Überraschung,
erreicht mit einer blutjungen Mannschaft. Brauweilers große Zeit
waren die 1990er Jahre mit einem Meistertitel und drei
Pokalsiegertiteln (1991 als bis heute einziger Zweitligist sowie
1994 und 1997). |
Aber der Abteisportpark im beschaulichen
Brauweiler ist kein Vergleich zu Stadien wie dem Franz-Kremer-Stadion
oder der BayArena und so ging es vielen Mannschaften, wenn man mal von
Ausnahmen wie den Sportfreunden Siegen (Kreisstadt, Leimbachstadion)
oder FSV Frankfurt (Großstadt, Stadion am Bornheimer Hang) absieht. Was
aber allen Mannschaften in früheren Tagen gefehlt hat, war das Fehlen
zahlungskräftiger Sponsoren, die nun an beiden Ufern des Rheins
professionelle (Trainings-) Bedingungen und Rahmenbedingungen
ermöglichen. In Leverkusen die Bayer AG, die eine jahrzehntelange
Tradition in der Förderung des Frauen-Spitzenssports hat und beim FC hat
sich auf dessen diesjähriger FC-Mitgliederversammlung Friedrich
Neukirch, der Deutschland-Chef des Pharma-Unternehmens Klosterfrau und
einer der FC-Vizepräsidenten, als die treibende Kraft für die Förderung
des Frauenfußball gezeigt.
Direkt aus unserem Archiv nun die
Ergebnisse der letzten Duelle im Überblick aus Sicht von Berg. Gladbach
(als Vorgänger der heutigen Heimmannschaft, H = Heim, A = Auswärts):
|
Saison |
Liga |
Spiele |
Abschlussplatzierung
Bergisch Gladbach |
Abschlussplatzierung
Brauweiler |
|
1993/94 |
1.BL-Nord |
0:6 (H), 0:4 (A) |
9. (Abstieg) |
2. |
|
1992/93 |
1.BL-Nord |
0:3 (H), 1:3 (A) |
8. |
2. |
|
1991/92 |
1.BL-Nord |
1:1 (H), 1:2 (A) |
3. |
10. |
|
1990/91 |
-- |
Bg. Gl. in 1.BL, Brw. in RL |
3. |
1. (Aufstieg) |
|
1989/90* |
RL West |
1:1 (H), 1:1 (A) |
3. |
4. |
|
1988/89 |
RL West |
2:1 (H), 1:2 (A) |
2. |
3. |
|
1987/88 |
RL West |
3:1 (H), 2:0 (A) |
1. |
9. |
|
1986/87 |
-- |
Bg. Gl. in RL, Brw. in VL |
2. |
1. (Aufstieg) |
|
1985/86 |
RL West |
3:0 (H), 3:3 (A) |
3. |
12. |
|
1984/85* |
VL |
6:0 (H), 7:0 (A) |
1. |
4. |
Anmerkung:
Seit 1990 ist die 1. Bundesliga die höchste
Spielklasse,
von 1985 bis 1990 war die Regionalliga West
(RL) die höchste Spielklasse
von 1976 bis 1985 war die Verbandsliga
Mittelrhein die (VL) höchste Spielklasse
In unserem im Sommer 2011 erscheinenden
Buch "40 Jahre Frauenfußball werdet ihr unter anderem alle Ergebnisse
bis zur Landesliga am Mittelrhein nachlesen können.
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